Shadow Dragon: Die falsche Prinzessin
Written by Sven Kettner |
 
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Nach den „Tributen von Panem“ schielte man immer wieder mit wachsamen Auge, beziehungsweise in unserem Fall spitzte man erwartungsvoll die Ohren, ob es der Oetinger Verlagsgruppe erneut gelingt ein neues Zugpferd zu finden. Mit dem Auftakt von „Shadow  Dragon – Die falsche Prinzessin“ war das Interesse schon geweckt. Zugegeben als Fantasy-Fan habe ich natürlich bei dem Wort „Drache“ schon aufgehorcht und war gespannt, was mich erwarten würde.

Nach dem das Hörbuch bei uns in der Redaktion eingetroffen ist, wollte ich sofort loslegen, aber mahnende Blicke der Chefredakteurin erinnerten mich an den anderen Stapel, welcher noch vor mir lag. Also wurde das Werk erst einmal  noch zu Seite gelegt.  In der Zwischenzeit kamen mir hin und wieder Zweifel, wird es vielleicht nur ein Art der Eragon-Saga oder anderen Geschichten sein? Die anfängliche Euphorie drängte sich zunächst in den Hintergrund bis es endlich soweit war. Vorneweg kann ich gleich wegnehmen, dass das Hörbuch in zwei Tagen verschlungen wurde…

Der Zuhörer wird zunächst mit einigen Begriffe und Namen einer fernöstlichen Kultur vertraut gemacht und lernt so die Hauptfigur Kai kennen. Diese wurde als vermeintliche Waise ausgesetzt und als Onna-Bugeisha Kämpferin, das weibliche Gegenstück zu den Samurai, im Kloster ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es ihr Leben dem Schutz der Königsfamilie zu widmen. Vereinfacht gesagt, zählt sie zu einer Elite-Leibgarde, in ihrem Fall zu der Prinzessin Norikos. Schon früh bekommt der Zuhörer die Zweifel mit, die die 16-jährige Protagonistin quälen. Jedoch entscheidet sie sich wie ihre Schwestern des Kampfes der Linie treu zu bleiben und lässt sich weiter ausbilden.

 

 

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Bei ihrem ersten Einsatz gelingt es Kai zwar ein Attentat auf ihre Prinzessin zu vereiteln, aber dennoch wird Noriko verletzt und kann dadurch nicht an der Kaiserlichen Krönung teilnehmen. Jedoch hat die Königsfamilie die Idee, dass Kai, aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit, in die Rolle der Prinzessin schlüpfen soll und diese am Hofe des Kaisers vertreten.

Ich selbst habe mir an dieser Stelle gedacht…eine ganz, ganz blöde Idee eine Kriegerin als Prinzessin ausgeben zu wollen. Man könnte nun auch sagen, ab da nahm das Drama seinen Lauf. Zwar waren gewisse Beteiligte in das Theater eingeweiht, aber auch die Kriegerin hat so ihren eigenen Kopf, den sie auch verstärkt durchsetzt.

Die Story selbst bietet dem Zuhörer Einiges, zunächst kann sich dieser voll und ganz auf eine fremde fernöstliche Kultur einlassen und bekommt durch die wunderbaren Beschreibungen direkt Bilder in den Kopf projiziert. Die Liebe zum Detail ist perfekt abgestimmt, sodass der Erzählfluss und die damit verbundenen Handlungen keinen Abbruch nehmen. Die Sprecherin Sandra Keck  zeichnet sich durch die unterschiedlichen Stimmprofile aus, die glaubhaft die Gefühle einzelner Figuren transportieren. So erlebt der Zuhörer sämtliche Emotionen spürbar mit, sodass Humor, Ehrfurcht, Zorn, Trauer und Verrat authentisch nachempfunden werden können.

 

Aber nun zum wichtigsten Teil: der Drachen. Allen voran der Shadow Dragon, laut einer Legende handelt es sich hierbei um den ersten Kaiser und ist somit bei dem Großteil der Bevölkerung und dem Adel heilig. Die genaue Geschichte wird nicht verraten diese wird relativ am Ende vollständig in der Story eklärt.  Soviel sei aber verraten, dass Kai eine enge Verbindung zu diesem Tier aufbaut. Die zentrale Frage, welche der Drache ihr stellen wird, lautet: „Wer hat die wahre Macht? Der Thron oder das Schwert?“

Natürlich überlegt man selbst über die mögliche Antwort sehr lange nach. Abwesenheit oder langes Philosophieren lässt die Geschichte zwar nicht zu, aber fast gemeinsam baut die Autorin immer wieder Passagen ein, in denen der Zuhörer gemeinsam mit der Protagonistin sich Gedanken machen kann. Langeweile kommt keinesfalls auf, denn auch Kai bleibt kaum eine Verschnaufpause. Die Ereignisse überschlagen sich regelrecht, je weiter die Story voranschreitet. Die anderen Drachen wie zum Beispiel Flussdrachen, welche aus der Heimat von Kai stammen, werden zwar schön beschrieben, aber bisher bleiben diese noch ohne ersichtlichen Nutzen. Sie sind magisch, schön anzuschauen und werden fast wie Haustiere gehalten.

Faszinierender ist die Tiefe der einzelnen Figuren. Jeder Charakter ist wunderbar beschrieben und trägt somit zu einer faszinierenden Welt bei. Auch der innere Konflikt, den Kai führt, ist nachvollziehbar. Hin und Hher gerissen zwischen Kriegerin und somit vollkommener Pflichterfüllung, aber auch der Wunsch auf ein eigenes Leben. Aber nach und nach schleicht sich noch ein weiteres Empfinden bei ihr ein, nämlich der Drang die Macht für sich zu beanspruchen. 

 

Auch der Faktor der Romanze kommt keinesfalls zu kurz, denn auch hier ist die unerfahrene Kriegerin im Zwiespalt mit sich. Darf es der anziehende Drachenhüter sein, oder doch der unerreichbare Prinz? Die Entscheidung nimmt Sie sich später zumindest durch eine unglaubliche Dummheit selbst ab. Aber auch dies ist wieder ein Punkt, der authentisch zeigt, dass es sich eben um eine unerfahrene junge Frau handelt, die eine Kriegerin ist und keinesfalls Politik als Hauptfach studiert hat.

Die zwei MP3 CDs wurden von mir verschlungen und ich war schon etwas enttäuscht als es plötzlich zu Ende war. Einzig etwas nervend sind die sehr kurzen Tracks und die mir eine Ewigkeit erscheinend andauernden Pausen beim Wehseln zum nächsten Track.

Ansonsten, was kann man sagen? Ich persönlich war davon begeistert und sehe die Messlatte nach diesem Auftakt extrem hoch für den nächsten Teil.

Endlich wieder ein Fantasyepos zum Versinken und Mitfiebern, voller Spannung, Romanze , Loyalität, inneren Zwiespalt, unvorhersehbaren Wendungen und einem guter Portion Humor. Sofern man überhaupt das Wort Konkurrenz erwähnen mag, aber lieber Spotttölpel pass auf, der Shadow Dragon übernimmt vielleicht die Flughoheit.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:  
Charaktere:
tech. Umsetzung: (3,5)
Cover: 
Emotion: 

27,5 Punkte = Ohrenschmaus

Cover: © oetinger audio