Julian Fellowes: Belgravia
Written by Sven Kettner |
 
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Die Messlatte unddie  damit verbundenen Erwartungen könnten nicht höher sein. Julian Fellowes, Autor der Downton Abbey Serie, beglückt seine Leserschaft mit einem weiteren Werk. Jedoch war die Skepsis zunächst sehr hoch, denn an die bekannte Serie heranzukommen, oder diese gar zu überbieten erschien nicht möglich. Also war die eigentliche Erwartung, wie nah kommt es an die bisherige Leistung überhaupt heran?

Die Geschichte entführt uns zu Beginn in das Jahr 1815. Es ist der 15. Juni und niemand geringeres als die Herzogin von Richmond hat alle Adligen und Privilegierten des Militärs zu einem prächtigen Ball in Brüssel geladen. Der Zuhörer bekommt hierbei einiges an Namen aufgezählt, was im späteren Verlauf vorerst nicht besser wird. Auch kristallisiert sich sofort die zwei Klassengesellschaft und das für die damalige Zeit unorthodoxe Verhalten eines alten Proviantmeisters heraus.

Es handelt sich hierbei um James Trenchard, der das ehrgeizige Ziel verfolgt weitere gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen. Hierbei kommt es ihm natürlich gelegen, wenn seine Tochter Sophia mit Lord Edmund anbandelt.  Es treffen auf dem Ball zwei Familien aufeinander, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Al s Zuhörer ist man von dem Tempo ein wenig überrascht, denn was soll weitere 15 ½ Stunden erzählt werden, wenn schon alles in die Bahnen gelenkt wird? Schnell ist eine Meinung gebildet, welchen Verlauf die Geschichte nehmen wird, aber die große Überraschung lässt nicht lange auf sich warten. Alle Gedanken und Vermutungen, werden völlig auf den Kopf gestellt und man befindet sich 25 Jahre später in der Geschichte.

 

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Nach und nach erfährt man weitere Einzelheiten. Auch dass ein Kind aus der Beziehung der jungen Liebenden hervorgegangen ist. Die Umstände zwingen die Trenchards das Kind abzugeben und es im Verborgenen aufziehen zulassen. Sollten erneut zu frühzeitig Vermutungen über den Verlauf angestellt werden, so wird man erneut eines besseren belehrt. Der Autor Julian Fellowes hat einiges an Intrigen, Wendungen und guten Überraschungen eingebaut. Die Intrigen gehen sogar soweit, dass man einen persönlichen Groll gegen die ein oder andere Person entwickelt, man aber auch wiederum von dieser positiv überrascht wird.

Der Zuhörer wird, wie zu Beginn angekündigt, mit etlichen Namen konfrontiert, dazu kommen noch zahlreiche Verbindungen und Verstrickungen, die sich aber nach und nach ordnen lassen. Die Sprecherin Beate Himmelstoß überzeugt herausragend mit dem Stimmprofil für die Figur James Trenchard. Nicht nur einmal sorgt es für einen Schmunzeln bei den Dialogen, wenn der doch etwas in der Gesellschaft tapsige  Charakter wieder einen Bock schießt. Aber natürlich werden auch die anderen Figuren sehr gut und klar voneinander trennbar gesprochen.

 Die angenehme Stimme entführt den Zuhörer in die Vergangenheit und lässt einen das Erzählte bildhaft vor dem inneren Auge erleben. Fakt ist, dass der Autor sich selbst damit übertroffen hat, und damit auch die zuvor angesprochene Messlatte gerissen oder gar übersprungen hat. Die charakterliche Tiefe der Figuren, die Beschreibungen der Umwelt und verschiedenen Orte lassen es zu, dass der Zuhörer voll und ganz sich auf das Hörbuch und somit die Geschichte einlassen kann.

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (4,5)
Handlung:
Charaktere: (4,5)
tech. Umsetzung: (4,5)
Cover: (4,5)
Emotion:

28 Punkte = Hörmuss

Cover: © der Hörverlag