Gisbert Haefs: Der Spott des Gemetzels
Written by Martina Ernst |
 
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Autor und Übersetzer Gisbert Haefs veröffentlichte 1981 mit „Mord am Millionenhügel“ seinen ersten Kriminalroman um den Antihelden und Universaldilettanten Baltasar Matzbach. Auf dem Hörbuch „Der Spott des Gemetzels“ sind 9 Kriminalgeschichten mit dem Amateurdetektiv versammelt.

Baltasar Matzbach liebt es, Zigarren zu rauchen, isst gerne reichlich und weiß guten Wein zu schätzen. Was ihn quält ist oft die Langeweile. Da kommt ihm der eine oder andere undurchsichtige Fall im Freundes- und Bekanntenkreis gerade recht. Ende des Jahres 1979 zum Beispiel hatte sich ein wirklich seltsamer Besucher in seine Stammkneipe verirrt.

 

„Die Geburt der Farce aus dem Geiste des Heulens“, „Weihnachtsdotter-Slam“ oder „Der Spott des Gemetzels“, schon so mancher Titel verrät, dass es auf diesem Hörbuch ungewöhnlich zugeht. Autor Gisbert Haefs eigenwilliger Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig. Seine skurrilen, mörderischen Geschichten haben immer auch etwas Makabares an sich. Für Verwirrung sorgen Endlossätze. Es fällt schwer, diesen sich windenden Wortschlangen zu folgen. Das Ende einer Geschichte kommt oft überraschend. Tatsächlich fängt mit jedem neuen Titel ein anderer Krimi an. Musikalische Übergänge hätten für mehr Durchblick sorgen können. Manches geht einfach zu sehr, ohne bemerkbare Pause, ineinander über. Mit viel Spielfreude nehmen sich die Sprecher Jochen Malmsheimer, Bastian Pastewka, Kai Magnus Sting und Anke Engelke den absonderlichen Kriminalgeschichten an. Jochen Malmsheimer gelingt es, Baltasar Matzbachs Eigenarten unterhaltsam in Szene zu setzen. Der Privatdetektiv weiß zu bluffen und lässt sich auch durch eine vorgehaltene Waffe nicht aus der Ruhe bringen. Bastian Pastewka übernimmt gleich mehrere Rollen, unter anderem die des Abgeordneten Klaus Tutzing in „Matzbach und ein paar Gutmenschen“. Steckt mehr hinter einem blödsinnigen Unfall? Kai Magnus Sting wird als Erzähler des Öfteren mit Endlossätzen konfrontiert, die er bravourös meistert. Er haucht männlichen Charakteren wie Schmitz in „Die Vorzüge des Baggerns“ Leben ein. Matzbach durchschaut einen schlecht getarnten Plan. Allein die Allerweltsnamen Schmitz und Müller klingen schon sehr verräterisch.  

 

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Anke Engelke stieß zum Team dazu, als die Frage aufkam, wer die Frauen sprechen soll. Ein lustiger Textausrutscher bei der Produktion bescherte ihr zusätzlich die Rolle des Felix Yü, einem Spezialisten für Kampfsport und Fan falscher Konfuziuszitate. Das Hörbuch „Der Spott des Gemetzels“ basiert auf dem Erzählband „Zwischenfälle.“ Neu hinzugekommen ist die titelgebende Geschichte „Der Spott des Gemetzels.“ Als Highlight erweist sich der Kurzkrimi „Eifel-Zweifel“. Vier alte, abscheuliche Männer treffen sich, um einen verzwickten Fall aufzuklären. Zutaten: Ein gastliches Haus, Plumpsklo und eine Leiche auf dem Klo. „Die Eifel als solche ist voll von seltsamen Dingen.“

Das Cover spielt auf schwarzen Humor an. Die Details setzen den Titel passend in Szene. Mit wenigen Mitteln wird Aufsehen erregt. Wirkungsvoll sind die Sprechernamen platziert. Der Autor dagegen ist in zu kleiner Schrift unter dem Titel erst spät auszumachen. „Wir spotten über das Gemetzel, damit es uns nicht selbst erwischt.“ Rätselhaftes und Skurriles in geballter Form, das bietet dieses Hörbuch. Mal etwas Anderes.  

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere: (3,5)
tech. Umsetzung: (3,5)
Cover: (4,5)
Emotion:(2,5)

21 Punkte = Hörspaß

 

Cover: © Hörcompany