Nele Neuhaus: Wer Wind sät
Written by Martina Ernst |
 
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Ein Windkraftprojekt erregt die Gemüter. Obwohl nichts endgültig entschieden ist, werden schon Bäume gefällt. Der Kampf beginnt, die Gegner greifen zu unfairen Mitteln. Dann geschieht ein Mord in der Firma WindPro. Der Täter lässt eine Warnung auf dem Schreibtisch des Firmenchefs zurück. Ein Profi kann es nicht gewesen sein. Es gibt einige Spuren, aber die sind mehr als rätselhaft. Was ist hier wirklich vorgefallen? Ein zweiter Mord geschieht. Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff stehen vor einer schweren Aufgabe. Von Bodenstein wird mehr in den Fall verwickelt, als ihm lieb ist.

 

„Wer Wind sät“ wirkt anfangs unübersichtlich. Das liegt an dem ständigen Wechsel zwischen mehren Handlungssträngen und vielen Figuren, die eine bedeutsame Rolle spielen. Erst im letzten Drittel des Hörbuchs wird es interessant und zum Schluss spannend. Die Zeit bis dahin ist einfach zu lang. Vielleicht ist der Plot zu durchdacht und Autorin Nele Neuhaus will zu sehr überraschen. Sie hat sich viel Mühe gegeben mit auffälligen Charakteren wie dem psychisch angeschlagenem Mark, der naiven Ricky und der seltsamen Nika. Auch die Idee eines von skrupellosen Menschen vorgetäuschten Klimawandels ist originell. Sprecherin Julia Nachtmann haucht besonders den sonderbaren Charakteren Leben ein. Die beiden Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff bleiben in der Geschichte etwas blass. Das liegt aber an der Autorin Nele Neuhaus, die sich mit mehr Leidenschaft Mark, Ricky, Nika und Jannis angenommen hat.

Ein Zoogeschäft, ein zahmer Rabe, es gibt gelungene Details, die für Unterhaltung sorgen. Die Jagd nach einem Mörder kommt nicht so richtig als Jagd rüber. Es fehlt das Tempo. Rückblicke sorgen für mehr Klarheit und Durchblick. Verwirrend sind zwischendurch gegensätzliche Behauptungen. Die Frage, was wirklich passiert ist, bleibt bis zum Schluss offen. Kann von Bodenstein Nika trauen? Das Rätsel um diese undurchsichtige Frau bringt Spannung ins Spiel. Es geht um Demütigung, Täuschung, Liebe, Geheimnisse, Verrat, ein Spiel mit dem Feuer. Für dieses Hörbuch braucht man Geduld. Unterhaltsam ist es von Anfang an, auch wenn die Atmosphäre sehr unter der Komplexität der Geschichte leidet. Die letzten beiden CDs können ein bisschen was rausreißen und wieder gut machen. Das Thema „Vernichtung einer seltenen Tierpopulation für ein gewinnbringendes Projekt“ bleibt aktuell. Genauso wie die Kritik an Windparks. „Wer Wind sät“ ist der fünfte Band der Ermittlerreihe. Für den nächsten wünscht man sich mehr Spannung und Atmosphäre. Echte Nele Neuhaus-Fans werden auch diesen Krimi mögen.

Sehr gelungen ist die Covergestaltung mit dem Raben auf der Antenne vor bewölktem Himmel und die dezent eingesetzten Bluttupfer. Der Rabe hätte mehr Einsatz verdient. Die Idee mit dem Vogel wurde leider nicht genügend ausgebaut. „Wer Wind sät“ ist ein etwas anderer Krimi, der als schwieriges Puzzle rüber kommt und seine versteckten Qualitäten hat. „Unauffälligkeit ist die beste Tarnung.“ Ein treffender Satz, der im Gedächtnis bleibt. Tierliebhaber seien gewarnt, auch Tiere werden in diesem Krimi zu Opfern. Details wurden netterweise ausgelassen. Andeutungen und eingestreute, kurze Informationen sind manchmal fieser als eine ausufernde Beschreibung. Die Ausmaße dieses Falls bleiben erst unklar. Ein gelungener Schachzug der Autorin. Neugierig auf die Auflösung bleibt man als Zuhörer am Ball.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story:

Aufbau:

Atmosphäre:

14 Sterne = gut gelungen

Cover: © Hörbuch Hamburg

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