Isabel Abedi: Lucian
Written by Martina Ernst |
 
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Rebecca quälen Alpträume. Sie träumt von ihrem Tod, kann den Raum in allen Details sehen. Als sie wieder Mal von Angst geschüttelt aus einem dieser Träume aufwacht, steht eine schattenhafte Gestalt an eine Laterne gelehnt vorm Haus. Von da an begegnet sie dem geheimnisvollen Jungen an den verschiedensten Orten. Er verteidigt Rebecca sogar, als ein Gast sie in ihrem Job als Kellnerin begrabschen will. Der Junge weiß nicht, wer er ist und gibt sich selbst den Namen Lucian. Rebecca kommt nicht von ihm los. Als sich Lucian Hilfe suchend und verzweifelt an die falsche Person wendet, eskaliert die Situation und ihre langsam wachsende Liebe gerät in Gefahr.

 

„Lucian“ wartet mit einigen Überraschungen auf. Keine Hochspannung, kein atemloses Zuhören oder bebendes Gelächter. „Lucian“ zählt zu den sehr berührenden Geschichten mit wohldosierten Fantasy-Elementen. Zu Anfang der Geschichte blitzt mit dem Dachboden-Familienzimmer, den Wellensittichen John Boy und Jim Bob und Gummizwerg Anton Humor durch. Auch die typischen Jugendprobleme, wie die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, finden Platz. Bald wendet sich das Blatt und es wird mehr und mehr mysteriös. Als Zuhörer tappt man lange Zeit im Dunkeln, welches Geheimnis sich hinter der Existenz von Lucian verbirgt. Rebeccas Leben, Schule und Freunde stehen im Vordergrund. Mysteriös sind Lucians Träume, in denen er Dinge aus Rebeccas Vergangenheit und Zukunft sieht. Die Geschichte fesselt leise, und was einem wie Dahinplätschern vorkommt, sind Passagen, die sich nachher erst als wichtig entpuppen.

Unterstrichen werden die unterschiedlichen Stimmungen mit wenigen, aber sehr wirksamen Musikeinsätzen. Das romantische bis dramatische Gitarrenspiel stammt von Eduardo Macedo. Sprecherin Julia Nachtmann beweist mal wieder ihr großes Einfühlungsvermögen, Schauspieltalent und ihre bewundernswerte Wandelbarkeit. Rebeccas Wut, Schreien, Verzweiflung, Angst, ihre extremen Gefühlslagen erzeugen Gänsehaut. In Rebeccas Abschottungsphase erscheinen die vielen E-Mails zu viel Platz einzunehmen und man sitzt ein bisschen verständnislos da, warum von Rebecca lange Zeit keine Reaktionen kommen. Aber auch das wird später erklärt und ist dann nachvollziehbar. Bei dieser Geschichte ist es wichtig, nicht zu viel vorher zu verraten. Gerade die überraschenden Auflösungen machen den Reiz an diesem Hörbuch aus. Es eignet sich nicht für Spannungsfanatiker und unruhige Hörbuchlauscher. Viel mehr sind Fantasy- und Liebesgeschichten-Fans im Jugendlichen- und Erwachsenen-Alter angesprochen. Interessante Details zu Isabel Abedis Büchern gibt es auf www.isabel-abedi.de.

Das schwarze Cover mit der flauschig-weißen Feder lässt genauso viele Fragen offen, wie anfangs die Geschichte. „Lucian“ hat es auf die hr2-Hörbuch-Bestenliste geschafft. Auf der Rückseite des Booklets gibt es eine informative Danksagung der Autorin an die Künstlerin Sibylle Mayr. Kunstobjekte, die in der Geschichte auftauchen, wie die Glücksschwämme, stammen von ihr. Kleine Details und Inspirationen, die die Geschichte klammheimlich aufgewertet haben. So einen Glücksschwamm hätte man auch gerne. Geht es nach „Lucian“ weiter? Einen Hinweis gibt es nicht. Zum Trösten hört man sich dieses Hörbuch am besten nach ein paar Wochen noch einmal an. Ein geheimnisvoller Hörspaß mit romantisch-verzweifelter Nachwirkung.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story:

Aufbau:

Atmosphäre:

16 Sterne = hervorragend

Cover: © Jumbo

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