Christine Nöstlinger: Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte
Written by Martina Ernst |
 
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Es gibt nur einen freien Platz in der Klasse neben Cornelius am Pult, keinerlei Möglichkeiten der neuen Mitschülerin Anna auszuweichen. Ausgerechnet die verhält sich merkwürdig, sagt trotz höflicher Begrüßung keinen Ton und fährt ihn dagegen schnippisch an. Cornelius bleibt gelassen, bis er erfährt, dass Anna die Tochter von Papas neuer Freundin ist. Papas Lügen gehen schon lange genug, dass sogar von Heirat die Rede ist. Alarmstimmung bei Cornelius und Anna. Können die beiden das große Fiasko noch verhindern? Nach ein paar halbherzig undurchdachten Versuchen, weist auch der große Schlachtplan einige Lücken und Schwachstellen auf und hat alle Anzeichen einer echten Schnapsidee.

 

Patchworkfamilien sind heutzutage nichts Neues und ganz sicher eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Wenn auch nur einer nicht mit am gemeinsamen Strang zieht, ist Ärger vorprogrammiert. Zwei sture Kinder wie Anna und Cornelius können ein unkalkulierbares, dauerhaftes Chaos verursachen. Autorin Christine Nöstlinger hat aus einer Alltags-Familien-Situation eine lustige, emotionsgeladene Geschichte gezaubert. Besonders Anna leistet gegen die Lebensumstellung größtmöglichen Widerstand. Sprecher Martin Baltscheit lässt Anna Motzen, Keifen und Granteln was das Zeug hält und kann Cornelius Schockzustand und Gefühlslagen wunderbar wiedergeben. Vaters neue Freundin Sabine Lachs spielt eitel Sonnenschein wie aus dem Alltag gegriffen. Cornelius' Vater ist von der neuen Situation und ein paar Hiobsbotschaften genauso überfordert und hat seine eigene, sympathische Art damit umzugehen.

Martin Baldscheit hat hörbar viel Spaß daran, sich sprachlich auszutoben und jedem Charakter sein individuelles Gefühlschaos einzuhauchen. Witzig sind die gleich klingenden Spitznamen von „Pummel“ Anna und „Stummel“ Cornelius. Sie kommen nicht abwertend rüber, sondern verstärken den Humor und zeigen, dass es nicht auf das Äußere ankommt, der erste Blick oft täuscht, jeder irgendwo eine Macke hat und trotzdem richtig liebenswert und nett sein kann. So mancher blöde, erste Eindruck ist situationsbedingt und kann sich schnell zum Guten wandeln. Kinder lernen schnell, wir Erwachsenen müssen uns manchmal sputen mitzuhalten. Ganz heimlich ist dieses Hörbuch lehrreich, so leicht verständlich wie ein Comic und Kuschelnachmittag familientauglich. Der Tatsache „Leerer Bauch macht leeres Gehirn“ kann man auch schnell entgegen wirken.

 

Als Vorlage für das Cover dient das gemeinsame, Debakel reiche Wellness Wochenende. Anna mault am schönen Pool und Cornelius ist ratlos. Auf der Liege Annas potthässliche rosa Badekappe, im Poolwasser der Titel. Die Situation ist lebensnah getroffen und wurde kreativ umgesetzt. Fast wirkt sie etwas zu harmlos für die streitgeladene Geschichte. Christine Nöstlinger ist ein Garant für unterhaltsame Bilder-, Kinder-, und Jugendbücher und wurde sogar 2003 für ihr Gesamtwerk mit dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Mit „Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte“ trifft sie den Nerv der Zeit und macht Patchworkfamilien Mut sich den Schwierigkeiten offen zu stellen, ganz egal wie diese Geschichte ausgeht. Die Infobroschüre gibt Auskunft zur Autorin und Sprecher und Zeitangaben der CDs. Witzige Details sind die Badeschuhe der Kinder, die sich in Blau und Rosa auch auf den CDs wieder finden. „Die meisten Menschen sind sich selber das größte Rätsel.“ Ein sehr weiser Satz, der geradewegs, nach diesem Hörerlebnis, ins Schwarze scheppert. Das Hörbuch ist für Kinder ab 9 Jahren ein Gute-Laune-Spaß zum mehrmals Hören.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher :

Story:

Aufbau: 

Atmosphäre:

16 Sterne = hervorragend

Cover: © Oetinger

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