Raymond A. Scofield: Der große Lord
Written by Martina Ernst |
 
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Unter dem Pseudonym Raymond A. Scofield veröffentlicht Autor Gert Anhalt Kriminalromane, die zumeist im Fernen Osten spielen. „Der große Lord“ ist die Fortsetzung des Weihnachtsklassikers „Der kleine Lord“ von Frances Hodgson Burnett.

An einem eiskalten Weihnachtstag sucht ein junger Mann die Polizeiwache von Wachtmeister Paddock in Erleboro auf und behauptet, Lord Fauntleroy erschossen zu haben. Paddock hält ihn für übergeschnappt, bis der Fremde anfängt, seine Geschichte zu erzählen.

 

 

Science fiction 6

 

 

Sich an die Fortsetzung eines beliebten Weihnachtsklassikers zu wagen, erfordert viel Mut. Gelungen ist der Einstieg in der Wachstube. Schneesturm, Weihnachtspunsch und Wachtmeister Paddock sorgen für Atmosphäre. Der junge Mann, der sich als Tom Tipton ausgibt, wirkt sympathisch. Die Geschichte, die er erzählt, ist jedoch hanebüchen. Ein schrecklicher Unfall ist zu weit hergeholt. Der Anschluss zur Weihnachtsgeschichte wurde nicht sehr überzeugend konstruiert. Der kleine Lord aus Frances Hodgson Burnetts Roman, ein intelligenter, gewitzter, selbstbewusster Junge hat wenig mit dem eingeschüchterten, verlorenen Charakter aus Scofields Version gemein. Die Hauptfigur lässt sich zu schnell manipulieren und durchschaut Intrigen viel zu spät. Der kleine Lord ist 8 Jahre, als die Geschichte weiter erzählt wird. Seine Odyssee, das vorherrschende Unglück ist schwer zu glauben. Mehr Raum und Humor hätte seinen Abenteuern gut getan. So folgen die Ereignisse Schlag auf Schlag. Die fiesen Charaktere überwiegen. Ihnen wird es zu einfach gemacht.

 

Weniger die sehr verdichtete, unglaubwürdige Geschichte als die Umsetzung als Hörspiel hat Lob verdient. Musikauswahl, Geräuschkulisse und Sprecher überzeugen. Louis Friedemann Thiele verleiht dem großen Lord Persönlichkeit. Wie der kleine Lord verkörpert er das Gute. Josef Ostendorf in der Rolle des aufmerksamen und hilfsbereiten Paddock sorgt für die nötige Konstante. Ihm ist auch der schöne Ausklang zu verdanken. Was fehlt sind Schuhputzer Dick und Gemischtwarenhändler Silas Hobbs. Die beiden Charaktere hätten mit ihrer ganz eigenen Art den Unterhaltungswert erheblich steigern können. So bleibt die Fortsetzung weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.    

Das Cover bezieht sich auf die Gestaltung des Weihnachtsklassikers. Die Szene ist leicht abgewandelt. Das Weihnachtshörspiel „Der große Lord“ stillt die Neugierde, wie es hätte weitergehen können. Das empfohlene Alter wird mit 8 bis 88 Jahren angegeben. Die Wartezeit bis Heiligabend lässt sich damit sicherlich verkürzen.

 
 

Unsere Bewertung:

Sprecher:  (4,5)
Handlung: 
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion: (2,5)
 
21 Punkte = Hörspaß

Cover: © headroom